Die fäden der moderne. Die Fäden der Moderne Matisse, Picasso, Miró … und die französischen Gobelins

Ausstellung: Die Fäden der Moderne

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So zeigt es die Münchner Ausstellung gut nachvollziehbar in neun Kapiteln und betont dabei die Eigenständigkeit dieses Kunst-Handwerks. Wie wunderbar, dass sich Fachleute, Künstler und Enthusiasten für das Bewahren und Weitergeben von Wissen und Handwerk einsetzen. Von der Vorlage bis zum fertigen Objekt nimmt die Herstellung eines großen Gobelins nach wie vor tausende Arbeitsstunden in Anspruch. Die großen Meister wie Henri Matisse 1869 — 1954 , Pablo Picasso 1881 — 1973 , Sonia Delaunay 1885 — 1979 oder Joan Miró 1893 — 1983 sollten das Medium in die Gegenwart transportieren und der Tapisserie zu mehr Aufmerksamkeit innerhalb des Kunstsystems verhelfen. Die drei abgebildeten Frauen sollen Picassos Lebensgefährtinnen Olga Chochlowa, Dora Maar und Marie-Therèse Walter von links zeigen. Zum ersten Mal in Deutschland präsentiert die Kunsthalle München Tapisserien, die in der Pariser Manufacture des Gobelins nach Entwürfen der namhaftesten Künstler des 20.

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DIE FÄDEN DER MODERNE MATISSE, PICASSO, MIRÓ ... UND DIE FRANZÖSISCHEN GOBELINS

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Sie suchen eine Wohnung oder einen neuen Job? Er vereinfachte die ursprüngliche Komposition um wenige Elemente an Tapete und Teppich , ergänzte jedoch eine Bordüre aus ineinander geschlungenen Linien — ein klassisches Element von Wandteppichen seit Jahrhunderten. Wobei manche Kreationen tatsächlich weit in den Raum greifen oder wie ein frisches Ölgemälde daherkommen, dessen pastos aufgetragene Farben noch fließen und tropfen. Von detailgetreuen Naturdarstellungen über monumentale Themen in Kriegszeiten bis zu Entwürfen, die die speziellen Eigenschaften des textilen Mediums berücksichtigen. Den Kopf einziehen Selbst dem baskischen Bildhauer Eduardo Chillida gelang es, durch geschickte Einschnitte und ein ausgetüfteltes Spiel von positiven und negativen Formen die Wucht seiner Eisenskulpturen in die Fläche zu holen 1986. Punkte, Blümchen, Streifen und Zacken können die Schrecken des drohenden Krieges allerdings kaum kaschieren. Aber er wäre nicht Franzose, wenn er nicht noch glühender an die Gemeinschaft von Künstler und Handwerker geglaubt hätte. Jahrhunderts entstanden — unter ihnen Henri Matisse, Pablo Picasso, Le Corbusier, Joan Miró und Louise Bourgeois.

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novum

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Die Faszination für andere, »exotische« Kulturen sowie der koloniale Machtanspruch der Grande Nation schlug sich in den Zwischenkriegsjahren in dekorativen Tapisserien wie Der Mekong Das nächste Kapitel ist Jean Lurçat 1892 — 1966 gewidmet, der sich seit den 1930er-Jahren einen Namen als Erneuerer der Tapisserie machte. Dieser Band spannt den Bogen von 1918 bis heute und zeigt, wie modern das traditionsreiche Handwerk der Tapisserie-Weberei tatsächlich ist. Spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg war mit solchen ideologischen Woll-Gefechten Schluss. Doch den Besucher erwartet eine Show der Superlative. Damit wird auch auf die strukturelle Ähnlichkeit digitaler Bildgebungsverfahren, die auf Pixeln basieren, und der ebenfalls rasterartigen Webstruktur der Tapisserie hingedeutet. Dass die Tapisserien kurzzeitig auch für revolutionäre Zwecke eingesetzt wurden, zeigen einige Beispiele von Jean Lurcat, der mit Sonne, gallischem Hahn und einigen lyrischen Versen die Liberté Frankreichs beschwor. Es sind sehr aufwändige Aufträge, alles ist Handwerk, nichts wird maschinell gemacht.

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Die Fäden der Moderne Matisse, Picasso, Miró … und die französischen Gobelins

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Dieses Verfahren, eine gemalte Vorlage durch eine retuschierte Fotografie zu ersetzen, machte später auch bei anderen Künstlern Schule. Er propagierte die Rückbesinnung auf die charakteristischen Eigenschaften des textilen Mediums und forderte eine stark reduzierte Farbpalette, vereinfachte Formen und eine eigene dekorative, von der Malerei emanzipierte Bildsprache. Die Kosten für eine Übernachtung in München und für die Reise in Höhe einer innereuropäischen Zug- oder Flugreise zweiter Klasse bzw. Angebote und Anzeigen aus München und Umgebung. Dessen Schussfäden laufen nicht über die gesamte Webbreite, sondern werden nur bis zum Rand einer bestimmten Farbfläche eingewirkt — auf diese Weise ergeben die Motive ein Bild. Schließlich symbolisierte Schönheit auf raffinierte Weise Macht und ökonomische Herrschaft, sodass Stoffe, Juwelen, Perlen, Möbel, Teppiche tragbare und deutlich lesbare Elemente im sozialen Zeichensystem waren. Die Faszination für andere, »exotische« Kulturen sowie der koloniale Machtanspruch der Grande Nation schlug sich in den Zwischenkriegsjahren in dekorativen Tapisserien wie Der Mekong 1935 — 1937 von Pierre-Henri Ducos de la Haille 1889 — 1972 nieder, mit denen sich die staatlichen Manufakturen auf Weltausstellungen wie der Exposition coloniale internationale von 1931 präsentierten.

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Die Fäden der Moderne: Matisse, Picasso, Miró … und die französischen Gobelins

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Selten sah man eine so langweilige antike Göttin Ceres und so gleichförmige Ochsen wie hier. Wenn sich aber Juan Miró unter die beiden mischt, wird ein Besuch der Bundeskanzlerin beim französischen Staatspräsidenten plötzlich zum farbglühend witzigen Rendezvous. Die Finger zucken, weil die Augen nicht glauben wollen, dass die pastosen Farbaufträge, jene fliegenfeinen Schlieren, nicht gemalt, sondern mit der Fliete gewirkt sind. Insbesondere bei letzterem Werk fällt die gekonnte Umsetzung des maritimen Sujets mit ihrer eigenen Farbigkeit in die Technik der Tapisserie mit dem Material Wolle auf. Foto: Muriel Cinqpeyres Zu viel Prachtentfaltung in einer Zeit der sozialen Ausgrenzung, murrte die Gelbwestenbewegung 2018. Als Kunstform oszilliert die Tapisserie zwischen Wandbehang, Bilddekor, Mobiliar und Teppich. Fertig geworden sind nur eine halbe Erdkugel mit viel allegorisch-mythologischem Pipapo und — für die Dienstwohnung von Außenminister Joachim Ribbentrop — ein Gobelin voll brauner Propaganda, für den sogar pures Gold herhalten musste.

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Die Fäden der Moderne (München, 12

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Das zeigen die abstrakten Entwürfe von Sonia Delaunay 1954, 1967 , die mit Textilem und Farbreizen sowieso umgehen konnte, und die in ihrer Wirkung gar nicht mehr so kühlen Op-Art-Tapisserien von Victor Vasarely Mitte der 1970er-Jahre. Weberinnen bleiben unsichtbar hinter großen Namen Das gilt es hervorzuheben: Die Weberinnen sind die eigentlichen Heldinnen hier, bleiben hinter den Geniusköpfen, Picasso, Leger, Le Corbusier aber unsichtbar und namenlos, eben auf der Rückseite vermerkt, anders als vergleichbare Virtuosen wie der Dirigent eines Orchesters oder der Übersetzer eines Buches. Damit wird auch auf die strukturelle Ähnlichkeit digitaler Bildgebungsverfahren, die auf Pixeln basieren, und der ebenfalls rasterartigen Webstruktur der Tapisserie hingedeutet. Leider verließt Utzon 1966 das Bauvorhaben im Streit, sodass der fertige Teppich in Dänemark in der Familie Utzons blieb, wo er viel Freude bereitete. Dass es Gobelins auch in der modernen Gestaltung des 20. Jahrhundert etabliert waren, und kombiniert sie mit einem kräftigen Sonnengelb. Das Mobilier national in Paris vereint unter sich die Manufacture des Gobelins, die Manufacture de Beauvais und die Manufacture de la Savonnerie.

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